Ein Erlebnisbericht
„Der nächsten Familienurlaub geht mal nicht nach Mallorca.“ Meine Frau sah mich nach dieser Aussage vollkommen verdutzt an. „Warum nicht?“, kam nur die Gegenfrage. Warum nicht? Das war doch vollkommen klar. Seit drei Jahren flogen wir nun schon nach Mallorca. Wer will denn schon jedes Jahr das gleichen im Urlaub erleben? Ich erzählte meiner Frau frei heraus das gleiche, während ich ihr im gleichen Atemzug verkündete, dass ich uns eine Segelreise auf der Ostsee gebucht hatte.
Urlaub auf einem Segelschiff konnte sie sich überhaupt nicht vorstellten. Und was die Kinder davon halten würden, war ihr auch nicht ganz klar. Als wir das Thema beim Abendbrot nochmal anschnitten, waren die Kinder begeistert.
„Segel wie die Piraten früher“, sagte mein Jüngster und konnte es kaum erwarten, dass die Sommerferien begannen.
Am 18. Juli war es dann endlich soweit. Wir kamen um elf Uhr in Kiel an und fanden unser Schiff, die „Regina Maris“, an der Blücherbrücke. Wir betraten das Schiff und wurden durch Martin, den Eigner und Skipper unserer Reise, begrüßt. Wir brachten unser Gepäck in eine der Kabinen und fanden uns wieder an Deck ein, wo so langsam weitere Gäste des Mitsegeltörns eintrafen. Schnell kam man ins Gespräch. Sogar weitere Familien mit Kindern ware dabei, mit denen sich unsere sofort anfreundeten.
Alles lief bestens und um punkt 12 Uhr hieß es dann „Leinen los!“. Wir waren nun Teil der Crew und unterstützten den Skipper und den Maat tatkräftig bei ihrer Arbeit. Segel setzen, Segel dichtholen, Wenden oder auf dem Kurs bleiben waren manchmal gar nicht so einfach, klappten aber mit der Unterstützung aller sehr gut. Kaum zwei Stunden später sprachen wir untereinander ab, wer in der Küche half und es wurde ein leckerer Eintopf zubereitet. Gegen 16 Uhr erreichten wir die dänische Insel Aero und uns blieb noch ein bisschen Zeit, die Landschaft und die Hafenstadt Marstal zu erkunden.
Die Nacht wurde im Hafen von Marstal verbracht und gab uns die Möglichkeit, an Deck beinsammen zu sitzen, bis es Dunkel geworden war und jeder in seine Koje kroch. Schließlich musste man für den nächsten Tag wieder fit sein.
Die nächsten Tage vergingen wie im Fluge. Das Segeln bot eine Ausgewogenheit zwischen Aktivität und Erholung. Wir hatten das optimale Wetter erwischt, um uns an Bord zu sonnen, aber dennoch von dem Wind einen ordentlichen Schupser zu erhalten, so dass wir unsere an jedem Morgen besprochenen Routen einhalten konnten. Die Kinder tobten an Deck, fragten den Maat Löcher in den Bauch oder durften sogar ans Steuerrad. Dieser Familienurlaub war wirklich etwas ganz anderes und für jeden war etwas dabei. Auch das Schwimmen kam nicht zu kurz, denn von Bord aus gab es die Möglichkeit, sich im kühlen Nass der Ostsee optimal zu erfrischen und an Deck hinterher sich von der Sonne und dem warmen Wind trocknen zu lassen.
Am Ende war unser Familienurlaub viel zu schnell vorbei gewesen. Es herrschte Aufbruchstimmung, wenn auch mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge, als die Regina Maris in Kiel wieder anlegte. Eine Woche Segeln in der Ostsee ging vorbei, doch es war sicher der bisher schönste Familienurlaub, den wir zusammen verbracht hatten…