Segeln als Klassenfahrt - Eine Schulklasse erzählt von Ihrem Abenteuer.
Zu unmenschlicher Zeit (morgens 5.30 Uhr) wurden wir von einem Bus abgeholt. Trotz der Müdigkeit konnte aber niemand von uns mehr schlafen. Was wird uns in den kommenden fünf Tagen erwarten? Gegen 10.00 Uhr waren wir in Rostock und konnten jede Menge Schiffsmasten sehen. Wo sollen wir nur hin? Der Busfahrer hatte zum Glück alle Informationen von der Reederei bekommen und hielt vor einem der Riesen. ALBERT JOHANNES stand auf dessen Rumpf. Irgendwie hatte mit einem Mal jeder etwas zu erzählen – der Anblick dieses Segelschiffes versetzte uns in die Welt der Bücher und Filme, wo die Piraten die Weltmeere erobern. Diese Stimmung sollte uns die ganze Klassenreise begleiten, denn immer wieder kamen alte Geschichten zutage über den 1928 gebauten Traditionssegler.
Doch was interessierten uns jetzt die alten Geschichten, wo es im Moment hieß, die Kabinen zu erobern. Zu Hause hatten wir den Katalog von der Reederei TSC – Traditional Sailing Charter BV gewälzt und die Kojenplanung wohl tausendmal verworfen. Aber inzwischen war alles klar, jeder schmiss seinen Schlafsack auf eine Koje und der Rest des Seglers wurde besichtigt. Oh man, stand in der Messe viel zu Essen! Wir waren sehr erleichtert, dass wir diese Mengen nicht ranschleppen mussten. Wohlweislich hatten wir vorher die Verpflegung angefordert und an Bord bringen lassen, um selber kochen zu können. Damit es jedoch nicht jeden Tag Spaghetti mit Ketchup geben musste, hatte TSC uns einen fertigen Speiseplan mit Kochanleitung dazu gelegt. Das sollte sich noch als große Hilfe erweisen… Ein wenig später kam der Skipper, gemeinsam mit seinem Bordhund, und begrüßte uns. Wegen des strahlenden Sonnenscheins fand die Einweisung in die Bordregeln an Deck statt.
Noch am gleichen Tag ging es los. Das Ziel, welches wir gemeinsam nach Windlage bestimmten, war Hiddensee. Teamwork war angesagt, denn der Wind drehte und wir mussten mehrmals kreuzen. Die Strömung, wie wir vom Skipper erfuhren, war aber mit uns. Wahnsinn! Die Sonne schien und wir legten direkt vor einem langen Sandstrand an. Geschlafen haben wir super: nur ab und zu war ein Plätschern an der Bordwand zu hören, sonst nichts. Am nächsten Morgen war das Wetter wieder schön. Nach dem Frühstück machten wir die Leinen los und verließen Hiddensee. Während die ALBERT JOHANNES ruhig über das Wasser segelte, bereitete der Küchendienst das Essen vor. Nur wenn uns die große Fähre begegnete, hieß es: Töpfe festhalten! Einige von uns durften auch mal selber das Segelschiff steuern…
Schade, auch die anderen drei Tage vergingen wie im Flug! Die vielen Erlebnisse hätten ein ganzes Logbuch füllen können! Die letzten Stunden unseres Segeltörns: Der Wind ließ die Segel noch einmal so richtig aufblähen und wir konnten alles zeigen, was wir über das Segeln gelernt hatten. Ein letztes Mal anlegen, Taue festmachen und ein wenig Traurigkeit in uns, dass diese schöne Zeit so schnell vergangen war. Die Worte des Skippers, dass wir eine dufte Crew waren, machten uns den Abschied nicht leichter. Aber der Bus stand unwiderruflich an der Pier – die Erinnerung an diese Klassenreise wird uns immer bleiben!