Ein (Erfahrungs-) Segelbericht von Helga K. & Simone E. aus Essen
Wir (20 Frauen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren) saßen gemütlich an unserem Kegelstammtisch, als die Frage nach einem Ziel für unseren jährlichen Kegelausflug aufkam. Es flogen sofort die verschiedensten Ideen durch den Raum. Berlin, Mallorca, Amsterdam, Segeln auf dem IJsselmeer?
Eine Woche später trafen wir uns wieder, diesmal allerdings trat das Kegeln in den Hintergrund – eher ein seltenes Phänomen! Diesen Freitag hatten unser Interesse und unsere Aufmerksamkeit die ganzen bunten Kataloge geweckt, die auf dem Tisch verteilt lagen. Kathrin war so vorausschauend gewesen und hatte sich weiter mit der Frage nach dem Segeln beschäftigt und das entsprechende Material für uns besorgt. Das lag nun vor uns auf dem Tisch und lockte uns! Eine Reederei stach uns sofort ins Auge: Sie hatte die gleiche Abkürzung wie unser Kegelclub: TSC. Nachdem wir das ganze Informationsmaterial verschlungen hatten, waren wir uns einig: WIR WERDEN SEGELN! Wir einigten uns auch schnell auf ein passendes Schiff: ANTONIA sollte unser Schiff heißen, mit dem Abfahrtshafen Harlingen.
Kathrin übernahm die komplette Korrespondenz mit dem Buchungsbüro der Reederei TSC-Traditional Sailing Charter BV. Überraschender Weise ist das Büro im westfälischem Hamm ansässig – weit weg vom IJsselmeer.
Innerhalb von 14 Tagen war alles in trockenen Tüchern: Die ANTONIA wird im Juli für 7 Tage (von Freitag bis Freitag) unser zu Hause sein – der Vertrag war unterschrieben, die Reiserücktrittskostenversicherung abgeschlossen und der Bus gemietet. Wir haben an alles gedacht und freuten uns tierisch, ab diesem Zeitpunkt drehte sich bei unseren Treffen alles nur um unseren Segelausflug. Wir deckten uns mit allem möglichen Material ein: Was kann man auf den Inseln machen, was hat das IJsselmeer zu bieten? Super Ansprechpartner hier waren auch die Mitarbeiter bei TSC.
Endlich war er da: der Tag der Abreise: 20 aufgeregte Hühner warteten auf Ihren Bus und hüpften vor lauter Vorfreude wild erzählend durcheinander. Wahrscheinlich ein Bild für die Götter. Als der Bus um die Ecke bog, war das HALLO groß.
Nach guten sechs Stunden waren wir in Harlingen: überraschender Weise gar nicht so klein wie wir dachten! Und da lag es: Unser Segelschiff! Der Eigner Frans begrüßte uns herzlich und führte uns durch den Segler, zeigte uns alles und half uns das Gepäck an Bord zu holen.
Als wir dann gemütlich im Tagesraum saßen – der Bus war bereits wieder unterwegs nach Essen – fragte uns Frans, was wir denn so alles eingekauft hätten und was es denn zu essen geben würde? Fragende Gesichter überall… daraus wurden geschockte Gesichter! WIR HATTEN NIX ZU ESSEN!!!! Eben doch nicht an alles gedacht! Keinem von uns kam auch nur einmal der Gedanke, dass wir uns ja auch um die Verpflegung kümmern müssten!!! Wovon sollen wir denn jetzt nur leben?
Unsere Retter hießen Frans (unser Skipper) und Ingrid (niederländische Mitarbeiterin von TSC) – wir sind beiden heute noch dankbar! Wie das kam? Ganz einfach: Während wir noch geschockt im Tagesraum saßen und überlegten, wie wir aus diesem Dilemma wieder raus kamen, hatte Frans besagte Ingrid angerufen. Diese stand auf einmal mit einem Kochbuch und einer Bestellliste im Tagesraum. 20 Frauen überlegten gemeinsam, was in den nächsten Tagen gegessen werden sollte und Ingrid nahm die Bestellliste mit und am nächsten Morgen standen alle Lebensmittel an Bord und mussten lediglich nur noch von uns verstaut werden. Die Freude in unseren Gesichtern muss nicht gesondert beschrieben werden.
Endlich konnte unser Segeltörn losgehen, der wahrlich die aufregendsten, erholsamsten und lustigsten Tage des Jahres 2009 geboten hatte. Und eines steht seitdem fest: Wir buchen nur noch MIT Verpflegung und nie wieder OHNE!
